Social Media-Berater? Was für ein Unsinn!

9. März 2010 von

Sie sprießen wie Pilze aus dem Boden, die Social Media-Berater, Social- Media Consultants, Blogberater, Twitter-Consultants.

Ich bekomme jedes Mal die Krise, wenn ich das lese oder höre. Weil diese Tätigkeitsbezeichnungen einfach Humbug sind.

Denn – und in diesem Punkt werde ich ja auch gern zur Gebetsmühle:

Social Media sind TOOLS, MITTEL des Marketings. Kein Selbstzweck. Aber genau dazu, zum Selbstzweck, machen so genannte Social Media-Berater die Social Media durch ihre Tätigkeitsbeschreibung.

Die Gründe, sich für diese 'Berufsbezeichnung' zu entscheiden?

  • 1. Vielleicht, weil Social Media hip sind und die Berater hoffen, mit ihr Kunden anzuziehen wie das Licht die Motten?
  • 2. Oder – schlimmer: Sie haben selbst die Funktion der Social Media im Marketingmix nicht verstanden und machen wirklich die Mittel zum Selbstzweck.
  • 3. Oder sie wollen damit einfach nur ihre Spezialisierung ausdrücken? Dann haben sie aber eine ziemlich unglückliche Beschreibung gewählt, weil ICH jedenfalls einem so genannten Social Media-Berater sofort 1. oder 2. unterstelle. Beides sind nicht gerade Vertrauensbildende Unterstellungen und würde für mich als potenzieller Kunde dazu führen, dass ich mich für einen Kollegen entscheide, dem ich mehr Sachverstand unterstelle.

Liebe Social Media-Berater und Twitter-Consultants,

Tätigkeitsbezeichnungen sollten sich am ZWECK der Tätigkeit orientieren. Der Zweck eurer Tätigkeit sollte sein, die Unternehmnen eurer Kunden erfolgreicher werden zu lassen.

Je nach Bedarf, lasst ihr euren Kunden also strategische Beratung, Positionierungsberatung, Marketing-Beratung, Vertriebs-Beratung, Organisations-Beratung… angedeihen.

Und die Reihenfolge bei einer Unternehmens-Beratung geht so:

  • Positionierung, Ziele und Zielgruppen definieren
  • Strategische Überlegungen anstellen
  • Marketingplan erstellen

Und erst jetzt kommen die Social Media – und auch das nicht in jedem Fall – ins Spiel: Innerhalb des Marketingplans bekommen sie ihren Platz inmitten des Marketingmixes.

Wenn ihr euch also als Social Media-Berater definiert, lasst ihr eure Kunden den vierten Schritt vor dem ersten tun. Das hört sich für mich verdammt nach Erfolgs-Stolperfalle an. Und das kann doch nicht gewollt sein, oder?

Ins gleiche Horn wie ich tuten zum Beispiel Martin Oetting in seinen Artikeln

Nicht auf die Instrumente, auf das Problem kommt es an

Twitter Marketing ist Unsinn. Es sei denn, man ist Twitter

und Thomas Euler in seinem Beitrag Wie sich die “Social Media Branche” positionieren sollte

Foto: Angelina Ströbel, pixelio


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11 Kommentare zu Social Media-Berater? Was für ein Unsinn!

  1. Marketeer on 9. März 2010 at 17:04

    Mir aus der Seele gesprochen. Toller Artikel. Allerdings befürchte ich, dass die wenigsten Social Media Berater etwas von der Marke verstehen.

  2. Nina on 11. März 2010 at 10:07

    Sehr spannender Artikel! Aber ist es nicht auch einfach nur ein Marketing-Trick, sich so zu nennen? Viele Unternehmen haben doch keine Ahnung von Social Media und glauben aber ansonsten nicht unbedingt Beratungsbedarf zu haben. Die denken dann vielleicht: "Sollen wir auch mal so eine Facebook-Seite machen?". Und da sie weder wissen, wie das geht, noch, was es eigentlich bringt, nur, dass es angeblich etwas bringt, suchen sie sich … einen Social-Media-Berater.

  3. Elke Fleing on 11. März 2010 at 10:20

    Huhu Nina,

    ja, was du ansprichst, meine ich ja mit Punkt 1. Dass die Leute sich so nennen, weil Unternehmen, die keine Ahnung von Social Media haben, sich dann eben einen Social Media Berater suchen. Trotzdem finde ich diese berufsbezeichnung irreführend. Man kann doch auch kommunizieren, dass man Marketing-Berater ist und natürlich auch die Social Media in seine Beratung einbezieht, wenn's Sinn macht.

    Aber sich Social Media Berater zu nennen ist für mich Kundenfang auf der falschen Spur…

  4. Nina on 11. März 2010 at 18:59

    Zitat_
    Man kann doch auch kommunizieren, dass man Marketing-Berater ist und natürlich auch die Social Media in seine Beratung einbezieht, wenn's Sinn macht.
    Zitat Ende_

    Na klar, könnte man. Aber nehmen wir mal an, ich sei Geschäftsführer eines mittelständischen Unternehmens, der einfach keine Ahnung von dem "ganzen neuen Internetkram" hat. Aber sein Neffe hat ihm jetzt gesagt, dass man auch auf Facebook und so … Er denkt sich also: "Da nehm ich mir nen Spezialisten, der das für mich macht." Wen nimmt er dann wohl, denjenigen, der generell Marketing-Experte ist und auch Social Media kann, ihm womöglich eine Beratung aufdrängt, die er aber gar nicht haben will (aus seiner Sicht argumentiert) oder denjenigen, der (hurra hurra)nur auf Social Media spezialisiert ist ("der kennt sich ja aus!")?

    Dass das eigentlich weniger seriös ist, weiß der Gute wahrscheinlich gar nicht.

    Es wäre natürlich schön, wenn trotzdem keiner solche Verpackungsschwindel nötig hätte …

  5. tina de luxe on 13. März 2010 at 11:05

    Interessant. Ich schätze mal, zusätzlich zum Erwähnten kommt wohl auch noch der SEO-Aspekt dazu. Schnell mal ein Nischchen besetzen, bevor es da ganz voll wird.

    Dass es um Ziele und Nutzen geht statt um Werkzeuge, find ich ganz wichtig. Aber bei "Textern" steckt das auch noch nicht in der Berufsbezeichnung … ;-)

  6. Elke Fleing on 15. März 2010 at 07:08

    Hihi, irgendwie hast du Recht damit, dass die Ziele auch bei Textern nicht in der Berufsbezeichnung stecken. Das tun sie bei Jägern oder ganz vielen anderen Berufsbezeichnungen aber auch nicht. Das ist es auch nicht, was ich meine. Was ich meine, ist, dass jemand, der sich Social Media-Berater nennt, mir DURCH diese Bezeichnung den Eindruck vermittelt, er habe die Funktion von Social Media nicht verinnerlicht.
    Dass die Herrschaften das aus SEO-Gründen tun, ist schon klar. Besser gefallen tut es mir deswegen trotzdem nicht…

  7. Werbeagentur Augsburg on 22. September 2010 at 10:27

    Toller Artikel!

    Ich stehe diesen neumodischen Bezeichnungen ebenfalls skeptisch gegenüber. Social Media Optimierung ist in der Regel immer Teil einer viel komplexeren Marketing-Beratung. Erst wenn ein Unternehmen von einem Berater vernünftig positioniert wurde, werden die einzelnen Instrumente ausgewählt und aufeinander abgestimmt.

    Welches Unternehmen will den jeweils für SEO, SEM, SMO etc. einen eigenen Berater? Sicher Keines! Gerade kleinere Unternehmen möchten Komplettlösungen aus einer Hand. Und große Unternehmen haben in der Regel immer Agenturen, mit denen sie schon seit Jahren zusammenarbeiten.

  8. Jürgen on 8. Dezember 2010 at 22:58

    Sehr schön, mir auch aus der Seele gesprochen. In meinen Seminaren für kleine Unternehmen komme ich auch immer wieder gerne auf die "Social-Media-Berater", die "Suchmaschinenoptimierer" und – vor allem die Klassiker – die "Webseitenprogrammierer" zurück, was ebenso völliger Unsinn ist. Andererseits haben sich so viele kleine Selbständige entwickelt, von denen aber die meisten sicherlich nicht überleben werden. Und andere Menschen Arbeit in Agenturen gefunden. Gewinnen wir dem Unsinn auch mal was Positives ab :-)

  9. Stefan on 2. Februar 2011 at 15:34

    @Marketeer:

    Das Gefühl hatt ich leider auch und die Erfahrung hat gezeigt, dass sich auch hier viele tummeln, die überschaubare Ahnung haben. Schade mal wieder!

  10. Titan Implantate on 23. Februar 2011 at 10:38

    Der Artikel gefällt mir gut. Social Media Berater sind meiner Meinung nach auch überflüssig und sind nur auf ihren eigenen Erfolg aus.

  11. jD on 31. Juli 2011 at 11:14

    Hallo zusammen,

    komplett überflüssig denke ich sind sie nicht. Wenn es was bringt und Sie Ihren Klienten mehr Aufträge dadurch generieren ist das dann natürlich eine Win – Win Situation.

    Wie er sich dabei nennt, ob Social-Media Berater oder gleich Marketing Berater ist meiner Ansicht nach egal.