Ja, ja, ich weiß, das ist ein langes Video, das ich euch da 'zumute'. Aber diese 20 Minuten waren – für mich jedenfalls – extrem lohnenswert, inspirierend und erleichternd. Vielen, vielen Dank, Mela, für diesen Findetipp!
Und nein, sorry, ich hab das Video nirgends übersetzt oder deutsch untertitelt gefunden – trotz intensiver Suche.
Was die Schriftstellerin Elizabeth Gilbert – wow, WAS für eine charismatische Frau! (, aber was für eine gruselige Website) – schildert, ist ein grundsätzlich anderes Umgehen mit der eigenen Genialität, Muse, dem genialen Funken, der genialen Eingebung – nennt 'es', wie ihr wollt:
Üblicher Weise martern wir uns beim kreativen, schöpfenden Arbeiten mit Selbstvorwürfen, wenn wir hart an einem kreativen Projekt arbeiten, aber spüren, dass der 'geniale Moment' (noch) einfach fehlt. Dass der I-Tupfen fehlt, um unser Werk von 'ordentliche Arbeit' auf die Stufe 'außergewöhnlich gut' zu heben.
Abgesehen davon, dass wir selbst uns oft viel kritischer gegenüber stehen als andere, hat dieses Herangehen an das eigene 'Genie' etwas Selbst-Zerfleischendes, unser Selbstbewusstsein massiv Angreifendes. Denn wir empfinden uns selbst, unsere eigene Persönlichkeit als fehlerhaft, nicht gut genug, mittelmäßig, dilettantisch… Weil fast überall die Einstellung regiert: Entweder, ein Mensch ist genial oder eben nicht.
Gilbert erzählt, dass es ihr lange ebenso gegangen sei, dass sie große Sorge hatte, ob ihre Genialität ausreiche, um ein exzellentes Werk zu produzieren. Bis… ja bis eben verschiedene Vorfälle ihre Einstellung grundlegend geändert hätten:
Jetzt ist sie der Überzeugung, dass nicht ein Mensch ein Genie IST, sondern ein Genie (zu Besuch) HAT. Geniale Werke seien also nur möglich, wenn sie sozusagen als Teamwork zwischen dem kreativ Schaffenden und 'Monsieur/Madame Génie' entstehen.
Mit diesem Schritt koppelt Gilbert den 'genialen Funken' von der fragilen Persönlichkeit des kreativ Schaffenden ab. Das ist unglaublich befreiend und erleichternd, finde ich. Damit kann die Verantwortung für den 'genialen Part' des Werks abgegeben werden an eine Instanz außerhalb der eigenen Persönlichkeit und sein Fehlen muss nicht mehr zu Minderwertigkeitskomplexen führen.
Wie sagt Gilbert sinngemäß:
Ich sitze dann da über meinem Werk und sag zu dem 'Ding' irgendwo da in der Ecke: 'Hey, guck her, ICH arbeite wirklich hart an meinem Part unseres Werkes, siehst du das? Warum ich das tue? Ganz einfach: Es ist mein Job. Würdest du bitte deinen Teil dazu beitragen, also deinen Job machen? Ich sag, dir eins: Wenn dieses Werk nicht exzellent sondern nur ordentlich wird, dann ist das nicht meine Schuld. ICH habe meinen Teil dazu beigetragen.'
Großartiger Ansatz, den ich sofort adaptieren werde.
Das alles heißt nun allerdings nicht – und das meint auch Gilbert nicht -, dass wir uns bequem zurücklehnen und unsere Arbeit schludrig machen dürfen, nach dem Motto: 'Pff, was kann ich dafür, wenn's nicht gut geworden ist – Madam Génie geruhte nicht, mitzuarbeiten.'
Es hat meiner Meinung nach mindestens drei Konsequenzen:
- 1. Wir müssen unseren Part des Werks – den, der dafür sorgt, dass es ordentlich wird -, diszipliniert und sehr engagiert leisten.
- 2. Wir müssen 'Madame Génie' die Voraussetzungen schaffen, damit sie Lust hat, sich auch einzubringen (Gilbert selbst schottet sich z. B. beim Arbeiten innerlich völlig ab, fokussiert sich komplett auf ihr gerade zu bearbeitendes Werk – das schildert sie in dem Video unten).
- 3. Wenn wir die Bedingungen 1 und 2 konsequent, diszipliniert und engagiert erfüllt haben und das Werk trotzdem 'nur' ordentlich wird, dann brauchen wir uns nicht mit Selbstvorwürfen zu quälen, denn WIR haben unseren Job gemacht. Und beim nächsten Mal ist 'Madame Génie' dann ja vielleicht auch endlich aus ihrem Urlaub, ihrer gewerkschaftlich zugesicherten Pause oder was auch immer zurück an ihrem Arbeitsplatz.
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Tags:Elizabeth Gilbert, Genie, Kreativität, Psychologisches















danke, elke, das sind echt klasse Videos.
Hier gibt es das Video mit deutschen Untertiteln
http://www.ted.com/talks/elizabeth_gilbert_on_genius.html
Hallo, kommen Sie denn morgen zur Lesung mit Elizabeth Gilbert in der Thalia Buchhandlung in Hamburg?
Viele Grüße aus Köln.
Huch? Das habe ich gar nicht mitbekommen, dass E. Gilbert in HH liest. Schade, ich hab leider schon einen anderen Termin. Aber danke für den Hinweis!