Loveparade wird durch Massenpanik zum Albtraum

25. Juli 2010 von

19 Tote und 342 Verletzte bei der Loveparade titelt Der Westen heute.

Und ich kann und kann nicht verstehen, warum das Gelände am ehemaligen Güterbahnhof in Duisburg als Location für die diesjährige Loveparade ausgewählt und zugelassen wurde.

Meiner Ansicht nach hätten gesunder Menschenverstand und ein bisschen Wahrscheinlichkeitsrechnung ausgereicht, um zu dem Ergebnis zu kommen, dass das Gelände am Güterbahnhof als Location für die diesjährige Loveparade ungeeignet ist:

Es ist zu klein: Die Zahlen bezüglich des Fassungsvermögens des Geländes schwanken in den Medien zwischen 250.000 und etwa 500.000 Personen. Von vornherein erwartet wurden einhellig von allen Beteiligten und Beobachtern mehr als eine Million Besucher.

Dieses Bild, das @hazeldean gestern auf Twitpic veröffentlichte, zeigt sehr anschaulich einen Vergleich der Zugänge für die Loveparade-Locations 2000 in Berlin und 2010 in Duisburg. 2010 gibt es genau einen Zugang zu dem Gelände, der auch gleichzeitig als Ausgang fungieren muss. Und dieser einzige Weg ist noch dazu ein Tunnel. Ein Tunnel, aus dem ein seitliches Ausweichen auch in höchsten Notsituationen unmöglich ist. Und der noch dazu durch seine bauliche Beschaffenheit nicht gerade dazu beiträgt, sich eingesperrt fühlende Menschen psychisch zu beruhigen.

Update: Lars Fischer hat die Zu- und Abgangssituation bei der Loveparade ausgerechnet: Loveparade-Unglück in Duisburg: War der Eingang groß genug? Und kommt zu dem Ergebnis: Wenn seine Berechnungs-Prämissen stimmen, war er es nicht.

Wegen der Nähe zur Autobahn und zum Hauptbahnhof, deren Verkehr natürlich eine Gefährdung von Menschen darstellt, musste das Gelände nach allen Seiten strikt abgeriegelt werden. Es gab also keine offiziellen alternativen Fluchtwege zum Haupt-Ein- und Ausgang.

Mögliche 'wilde' und lebensgefährliche Fluchtwege waren nicht gegen einen Ansturm von Personen gesichert, so auch nicht die Treppe, von der einige Personen stürzten.

All diese Umstände hätten meiner Meinung nach nur einen Schluss zugelassen: Ein Mega-Event wie die Loveparade kann hier nicht stattfinden.

Und, sorry, das Argument, das gestern auch über Twitter häufiger kam: "Hinterher ist man immer schlauer" lasse ich nicht gelten:

Wir leben in Zeiten, in denen die Ursachen von Massenpaniken und ihre Verhinderungsmöglichkeiten wissenschaftlich untersucht werden.

Viele werden sich auch noch gut an die Massenpanik erinnern, die 2004 nahe Mekka ausbrach: Hunderte Hadsch-Pilger sterben bei Massenpanik.

Die Loveparade fand nicht zum ersten und auch nicht zum zweiten Mal statt sondern seit über 20 Jahren fast regelmäßig jährlich. Wikipedia:

Die Loveparade (auch Love Parade oder Love-Parade geschrieben) ist eine seit 1989 jährlich (außer 2004, 2005 und 2009) veranstaltete Technoparade, die von 1989 bis 2006 in Berlin stattfand und in den Jahren 2007 bis 2011 im Ruhrgebiet an wechselnden Orten stattfindet. Mit etwa zwölf Millionen Besuchern seit ihrer Gründung ist sie die größte Tanzveranstaltung der Welt.

Es gab also reichlich Erfahrungswerte, aus denen man hätte lernen können.
Und man muss nicht mal Eventprofi sein, um sich über die Gefahren der Location klar zu werden.

Medien wie Der Westen warnten vorab: Loveparade wird zum Tanz auf dem Drahtseil und auch potenziellen Besuchern war schon vorab extrem mulmig, wie die Kommentare zum Der Westen-Artikel Bloß nicht in Flip-Flops zur Loveparade! fast durchgängig zeigen.

Kommentar No. 18 zu diesem Artikel von 'Klotsche', der gestern Abend natürlich auch bei Twitter die Runde machte, erwies sich dann auch leider, leider als bittere Prophezeihung, die Recht behielt:

Ich kann und kann es nicht verstehen.


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2 Kommentare zu Loveparade wird durch Massenpanik zum Albtraum

  1. Lars Fischer on 25. Juli 2010 at 16:32

    "Ich kann und kann es nicht verstehen."

    Dem kann ich mich nur anschließen. Es haben genug Leute im Vorfeld gute Argumente gebracht, warum die Veranstaltung in dieser Form zu Problemen führen muss.

  2. jens on 27. Juli 2010 at 10:37

    Die Grafik ist nicht ganz richtig, die Unglücksstelle ist eine Art T-Kreuzung!
    Von beiden Seiten kommt man in den Tunnel.
    Siehe:
    http://www.donaukurier.de/_/tools/picview.html?_CMELEM=1789920
    http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,708399,00.html

    Außerdem gibt es nicht nur die große Rampe, sondern eine kleinere daneben, die aber erst später aufgemacht wurde, siehe: http://www.donaukurier.de/_/tools/picview.html?_CMELEM=1789953